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Ich gehe nicht zum Reden in den Wald

Ludwig Greven hat bei der Zeit einen Artikel mit dem Titel Wer nicht belauscht werden will, sollte nicht überall reden geschrieben, der mich doch mehr als nur ein wenig irritiert. Er schreibt u.a. folgendes:

Zu glauben, dass die öffentlichen Proteste an der Kontroll- und Datensammelwut der Sicherheitsbehörden daran grundlegend etwas ändern werden, ist weltfremd.

Meint der Autor etwa, es sei besser die Klappe zu halten und diesem gespenstischen Treiben nicht entschlossen entgegen zu treten - und zwar auf allen Ebenen, die in einer demokratischen Gesellschaft zur Verfügung stehen? Wenn es eins gibt, das immer noch wirkt, ist es eine laute und fordernde Öffentlichkeit, die sich nicht von Geheimdiensten, der Polizei, Kriminellen oder Terroristen einschüchtern lässt. Denn wenn das passiert, haben wir ohnehin schon verloren.

Weiter unten schreibt er etwas, was mir schlicht die Sprache verschlägt:

In der DDR gingen Menschen, die sich unbeobachtet von der Stasi unterhalten wollten, in den Wald oder in einen Park und sprachen unter vier Augen miteinander. Wer heute unbeobachtet bleiben möchte, sollte vielleicht nicht im Internet miteinander reden.

Wie bitte? Ich soll zum Reden in den Wald gehen? Wo bin ich denn? Ich habe nicht vor, diesen Staat zu stürzen, sondern mich an demokratischen Diskursen zu beteiligen oder auch gerne mal vertraulich mit meiner Frau, meinen Freunden, meinen Kollegen, meinen Kunden oder meinem Anwalt oder Arzt zu kommunizieren. Kann auch vorkommen, dass ich mal eine Demo mitplane oder ein vertrauensvolles Gespräch oder Mailwechsel mit einem Abgeordneten oder Journalisten habe. Und soviel Wald gibt es auch gar nicht mehr, damit jeder, der das braucht, vertraulich kommunizieren kann.

Es zeugt doch schon von einem echten Problem, wenn ich normale Kommunikation (und das ist so ziemlich alles was ich mache) verschlüsseln muss wie ein Geheimnisträger, nur damit nicht irgend so ein Freak aus VS, BND oder BKA auf den schmalen Trichter kommt, er müsse auf Grund irgendeiner diffusen Bedrohung und falsch interpretierten Zusammenhängen heraus meine intimsten Details kennen. Da macht es auch keinen Unterschied, ob diese Details per Brief, E-Mail, Telefon oder meinen privaten vier Wänden ausgetauscht werden. Diese Kommunikation ist tabu und darf, wenn überhaupt, nur kurzzeitig abgeschnorchelt werden, wenn es dazu einen hinreichenden, strafrechtlich relevanten Anfangsverdacht gibt oder meine Kommunikation ein Problem der nationalen Sicherheit sein sollte.

Wenn ich mal plane, diesen Staat zu stürzen, komme ich vielleicht gerne auf die Idee mit dem Wald zurück. Aber ich bin da sehr weit von entfernt und werde versuchen, mein Recht auf Vertraulichkeit und Intregrität meiner informationstechnischen Systeme durch alle meine bescheidenen Mittel einzufordern.

Ich weiss nicht, wie es anderen geht: Ich werde jedenfalls auch in Zukunft nur in den Wald gehen, um mich zu erholen oder Pilze zu sammeln, aber ganz sicher nicht, um ganz normal privat zu kommunizieren.

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Schweinderl